Geschichte

Geschichte der Kaninchenzucht

Hund, Pferd, Rind, Schaf, Ziege und Schwein wurden bereits in der Steinzeit domestiziert (zahm gemacht, an den Menschen gewöhnt) – das Kaninchen hingegen erst Jahrtausende später.

Die ursprüngliche Heimat des Wildkaninchens befindet sich in auf der iberischen Halbinsel in Südwesteuropa. Phönizier (Händler- und Seefahrervolk des Altertums) entdeckten dort ca. 500 v. Chr. die Kaninchen. Da die Kaninchen an Klippschliefer  erinnerten, nannten die phönizischen Händler die iberische Halbinsel “I-shephan-im”, was sinngemäß “Land der Klippschliefer” bedeutete. Übersetzt wurde dies später “Hispania”, was wir heute unter Spanien kennen – das Kaninchenland.

Viele die auf die iberische Insel kamen, nahmen die Kaninchen mit auf Reise. Kaninchen waren sehr begehrt, da sie der Nahrung dienten und sehr schmackhaft waren.

Römer hielten zu Cäsars Zeiten (44 v. Chr.) Hasen in großen Gehegen in sogenannten Leporarien. Ziel war es, Fleisch auf Vorrat zum Verzehr zu haben. Als die Kaninchen zu den Römern kamen, wurden diese gemeinsam mit Hasen in diesen Leporarien gehalten. Hasen und Kaninchen waren aber zu unterschiedlich und verstanden sich nicht. Da Kaninchen leichter zu zähmen waren, konzentrierten sich die Römer auf die Haltung von Kaninchen.

Kaninchen sind sehr anpassungsfähig und eroberten so die ganze Welt. Selbst auf Kerguelen (eine Insel in der Nähe der Antarktis, auf der es im Sommer nur ca. 0°C warm ist) leben Kaninchen – dort wurden sie 1874 ausgesetzt, so dass dort      anlaufende Seefahrer und Walfänger Nahrung vorfinden.

Im Mittelalter (6.-15.Jahrhundert) wurden Kaninchen vorwiegend an Fürstenhöfen in sogenannten Kaninchengärten/ Kaninchenwerder gehalten. Kaninchengärten und Kaninchenwerder sind riesig große Freigehege, in denen viele Kaninchen in freier Wildbahn lebten. Mönche begannen die Kaninchen in Käfigen zu halten – hier liegt der Beginn der Domestizierung der Kaninchen.

Nach Deutschland kamen die Kaninchen 1149. Der Abt Wibald aus dem Benediktinerkloster Corvey an der Weser bat damals seinen Amtsbruder Gerald, den Abt des Klosters St. Peter zu Solignac im französischen Bistum Berry um zwei Kaninchenpärchen.

1407 wurde im Schweriner See für König Albrecht von Schwerin ein Kaninchenwerder angelegt – die Insel trägt noch heute den Namen “Kaninchenwerder”. Auch Königin Elisabeth I. (1533-1603) war im Besitz eines Kaninchenwerders. Heinrich der IV. (1589-1610) hatte sein Kaninchengehege in Clichy la Garenne. Solch Freigehege gab es noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts – vor allem in England und Frankreich. Frankreich, England und Belgien sind die Ausgangsländer der Kaninchenzucht. Das erste Gemälde, auf dem ein Kaninchen zu sehen ist, stammt aus dem Jahr 1530 – Tizians “Madonna mit dem Kaninchen”.

Bereits im 16. Jahrhundert gab es Kaninchen bereits in verschiedenen Farben. Die erste ausführliche Beschreibung über Haltung, Zucht und Verwendung des Kaninchens erschien 1579 von Stephan und Liebhalt. Grundlage für Farbänderungen waren stets Mutationen in den Erbanlagen. Durch Aussetzen von Hauskaninchen, der Anpassungsfähigkeit und der Paarungsfreudigkeit des Kaninchens gibt es mittlerweile zwar wild lebende Kaninchen aber kaum noch ursprüngliche Wildkaninchen.

Durch die Paarungsfreudigkeit des Kaninchens in der freien Natur wurde dieses jedoch auch oftmals zur Plage. Im 17. Jahrundert untergrub das Kaninchen in Warnemünde und auf den friesischen Inseln die Küstenschutzmaßnahmen.Auf den Balearen bat Kaiser Augustus sogar das Militär zur Beseitigung der Kaninchenplage um Hilfe.

In Frankreich und Belgien war das Kaninchen stets ein sehr bedeutender Fleischlieferant. In Deutschland hingegen war die Landwirtschaft mehr ausgeprägt und somit konzentrierte sich Deutschland mehr auf Großvieh, wie Rinder und Schweine. Kaninchen waren in Deutschland somit ein weniger interessanter Fleischlieferant. Zu dieser Zeit wurden Kaninchen in Deutschland oftmals in Großviehställen gehalten, daher stammen auch die Begriffe “Stallhase” und “Kuhhase”.

1859 wurden die ersten Kaninchen von englischen Siedlern in Australien ausgesetzt und da sie dort keinerlei Feinde hatten, wurden sie dort zur Plage und sind es dort immer noch.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 brachten die heimkehrenden Soldaten die Begeisterung für Kaninchen von Frankreich erneut mit nach Deutschland. Die Kaninchenzucht erlebte einen Boom. Kaninchen wurden nun in Käfigen und auch einzeln gehalten.

Zur Zeit der industriellen Revolution (1830er-1873) zogen viele Menschen vom Land in die Stadt und brachten Kaninchen mit in die Städte. Ein einziges Kaninchenpaar kann pro Jahr bis 90 kg Fleisch produzieren – daher waren die kleinen Tierchen eine wichtige Nahrungsquelle. Sie nahmen wenig Platz weg, waren günstig zu halten und sehr produktiv.

Am 12.04.1880 wurde von Karl-Julius-Lohr und sieben weiteren Züchtern der erste Kaninchenzuchtverein Deutschlands in Chemnitz unter dem Leitgedanken “Kaninchenfleisch muss Volksnahrung werden” gegründet. Karl-Julius-Lohr verfasste auch die ersten Bewertungsrichtlinien für Kaninchen. Er gilt als erster Preisrichter in der Geschichte der Kaninchenzucht. Seine Bewertung beruhte wie auch noch heutzutage auf ein 100-Punkte-System. Die ersten Rassebeschreibungen gab es für: Angora, Belgische Riesen, Russen, Silberkaninchen und Französische Widder.

Im 19. Jahrhundert wurden Kaninchen speziell für Ausstellungen und Wettbewerbe gezüchtet. Seither werden in Großbritanien kaum noch Kaninchen verzehrt.

Die erste Dachorganisation “Bund Deutscher Kaninchenzüchter” wurde am 27.12.1892 in Leipzig gegründet. Durch die stattfindenden Weltkriege 1914-1918 und 1939 – 1945 spielten Kaninchen zwar für die Ernährung eine wichtige Rolle, aber die Kaninchenzucht stagnierte. Durch die Teilung Deutschlands entwickelten sich zwei verschiedene Kaninchenzuchtorganisationen. In der DDR spielte das Kaninchen vorwiegend als gewinnbringendes Haustier eine Rolle.

Nach der Wiedervereinigung der DDR und der BRD wurde durch den Zusammenschluss des Westdeutschen Dachverbandes “Zentralverband Deutscher Kaninchenzüchter e.V.” (gegründet 1948) und dem Ostdeutschen Dachverband “Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK)” (gegründet 1959) der Dachverband “Zentralverband Deutscher Kaninchenzüchter (ZDK)” 1990 gegründet. 2006 wurde der “Zentralverband Deutscher Kaninchenzüchter (ZDK)” in den “Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzüchter e.V. (ZDRK)” umbenannt. Ziel dieses Verbandes ist die Erhaltung, Förderung, Verbreitung und Verbesserung der Rassekaninchenzucht  unter Berücksichtigung und Einbindung des Tier- und Artenschutzes sowie des Natur- und Umweltschutzes als wertvolle Freizeitgestaltung und –beschäftigung.

Auch in Krakow am See hat die Kaninchenzucht eine lange Tradition. Bereits 1907 (vor dem 1. Weltkrieg) wurde der Züchter P. Gärtke aus der Güstrower Straße 96 erwähnt. Er züchtete Belgische Riesen und Englische Widder schwarz weiß. Der Züchter und Uhrmacher Otto Wegner stellte seine Belgischen Riesen damals bei der Bundesschau in Dresden aus und gewann den 1. Preis. Krakow am See wurde in der Kaninchenzucht erstmals im Protokoll des Zentralverbandes beider Mecklenburgs - damals gehörte Krakow zum Kreisverband Schwerin - vom 26.08.1917 erwähnt und besaß zu diesem Zeitpunkt 4 Wahlstimmen. Der heutige Rassekaninchenzuchtverein wurde 1919 als Verein M58 Krakow am See gegründet. Nach der Wende gründete sich der Verein am 01.06.1990 rechtlich neu als Nachfolger der Sparte SC 11. Der “Rassekaninchenzüchterverein M58 Krakow am See e.V.” kann seit 2019 auf eine 100-jährige Tradition zurückblicken.

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